Ein Wasserspritz-Wettbewerb, ein paar wütende Anwohner, ein evangelischer Pfarrer als Verpächter – und plötzlich steht ein ganzer Bikepark vor dem Aus. In Isny im Allgäu kämpft eine Bürger-Petition um die Max Wild Arena. Über 2.500 Unterschriften gibt es schon, aber das reicht nicht. Was passiert ist, was die Community sagt – und warum das jeden Mountainbiker im DACH-Raum betrifft.
Veröffentlicht von den Radical Life Studios / MTB Report
Die Max Wild Arena in Isny – im Sommer Bikepark mit drei Lines, im Winter Familien-Skigebiet, bleibt 2026 zu. Die Sommer-Saison ist gestrichen, das Equipment wird abgezogen. Auslöser: ein eskalierter Anwohnerstreit nach einem Watersplash-Event Ende Februar. Eine Petition läuft auf openpetition.de, Stand jetzt: 2.517 Unterschriften. Jetzt unterschreiben hilft.
Was passiert ist
Seit Frühjahr 2020 hatte Isny etwas, wovon viele Allgäuer Städte träumen: einen kompletten Bikepark direkt am Hausberg. Drei Lines, geplant von MTB-Profi Guido Tschugg, Bikelift inklusive, die Flow Line für Einsteiger, die Pro Line für Fortgeschrittene, die Wilde Kerle für alle, die’s krachen lassen wollen. Im Winter wird derselbe Hang zum Familien-Skigebiet mit eigener Beschneiungsanlage. Ein 365-Tage-Konzept, mitten in der Stadt, mit Skischule, Verleih und 25 Mietbikes.
Damit ist erstmal Schluss. Geschäftsführer Klaus Geißler-Hauber hat den kompletten Sommerbetrieb 2026 gekippt – nach eigener Aussage „zu 100 Prozent“. Die Mietflotte wird abverkauft, das Equipment ist bereits in Steibis und Oberstaufen, wo der Betreiber weitere Stationen führt.
„Ohne Bikepark fahren die Leute wieder querfeldein durch die Natur.“
— Klaus Geißler-Hauber, Geschäftsführer Max Wild Arena
Auch der Winterbetrieb wackelt. Der Geschäftsführer ergänzt, dass auch dieser „in Frage gestellt“ werde. Damit steht ein Stück Allgäuer Sport-Infrastruktur auf der Kippe, sommers wie winters.
Der Auslöser: Ein Wasserspritz-Wettbewerb
Der jahrelang schwelende Konflikt zwischen Betreibern und Anwohnern eskalierte ausgerechnet wegen einer Skifahr-Veranstaltung. Am 28. Februar 2026 fand in der Arena ein Watersplash Contest statt – Skifahrer rasen über die Piste und landen in einem Wasserbecken. Klassischer Saisonabschluss-Spaß. Aus Anwohnersicht: zu laut, zu lang, die Polizei rückte an.
Selbst Isnys evangelischer Pfarrer Dietrich Oehring sah sich genötigt, ein Statement abzugeben – und das ist der Hammer dahinter: Der Hang der Felderhalde gehört der evangelischen Kirche und ist an die Familien Lifte Isny GmbH verpachtet. Wenn der Verpächter beim nächsten Konflikt mit am Tisch sitzt und schon jetzt von „unzumutbarem Lärm“ spricht, ist das mehr als Nachbarschaftsstreit. Da steht ein Pachtvertrag im Raum.
Wer hier eigentlich stört – und wer nicht
Jetzt wird’s interessant. Wer denkt, die Anwohner hätten ein Problem mit Mountainbikern, liegt falsch. Im direkten Austausch mit den protestierenden Anwohnern wurde laut lokaler Berichterstattung deutlich: Mit dem normalen Wintersport- und Bike-Betrieb hätten sie eigentlich wenig Probleme. Was sie wirklich nervt:
- der Lärm der Schneekanonen und des Pistenbullys
- der Auto- und Motorradverkehr der Schönegger Käsealm am Fuß des Hangs
- Großveranstaltungen wie der Watersplash Contest mit Beschallung bis spät
Heißt im Klartext: Der Bikepark ist gar nicht das Hauptproblem. Er wird kollateral geschlossen – sei es als Druckmittel der Betreiber, sei es aus Frust nach Jahren ohne tragfähige Lösung. Eine Mountainbike-Infrastruktur, die niemand explizit verhindern wollte, fällt einem Konflikt zum Opfer, der mit Bikern nur am Rande zu tun hat.
„Es ist ein Unding, dass wenige Querulanten das Alleinstellungsmerkmal zerstören wollen.“
— Petitions-Kommentar
Klarstellung Bagger: Die Hauptlines bleiben unangetastet
In der lokalen Berichterstattung tauchten Bilder und Berichte auf, dass „die Fahrspuren mit Baggern platt gemacht“ würden. Das hat verständlicherweise hohe Wellen geschlagen – und wurde als Trotz-Rückbau interpretiert. Geschäftsführer Klaus Geißler-Hauber relativiert das im Gespräch mit der Redaktion ausdrücklich: Es stimme zwar, dass manche Spuren dem Erdboden gleich gemacht wurden – dabei handele es sich jedoch nicht um Fahrspuren des eigentlichen Bikeparks. Der Rückbau umfasse lediglich Spuren am Fuße der Felderhalde, die als Angebot an Kinder gedacht waren.
Der Hintergrund dazu ist wichtig: Diese Kinder-Spuren waren noch nicht endgültig von der Stadt genehmigt, sondern wurden bislang nur geduldet. Die Stadt verlangt jetzt deren Rückbau – aus baurechtlichen Gründen, nicht wegen des Anwohnerstreits. Das sind zwei völlig unterschiedliche Vorgänge, die in der Berichterstattung schnell vermischt werden.
Heißt für uns als Biker: Die drei Hauptlines – Flow Line, Pro Line und Wilde Kerle – bleiben vollständig erhalten. Was abgeräumt wird, ist eine bauordnungsrechtliche Aufräumaktion, kein Akt der Endgültigkeit. Und das ist die wichtigste Information dieses Artikels. Denn sie bedeutet: Eine Wiederinbetriebnahme bleibt machbar. Wenn die Strecken stehen, der Lift steht und der politische Druck stimmt, kann der Park innerhalb weniger Wochen wieder öffnen. Die Substanz ist da. Was fehlt, ist der politische Wille auf allen Seiten, sich an einen Tisch zu setzen.
Genau hier kommt die Petition ins Spiel.
Was die Community sagt
Während die Geschäftsführung Fakten schafft, läuft die Community heiß. Auf der Facebook-Seite „Du weißt, dass du aus Isny bist, wenn…“ sind Dutzende Kommentare hinter die Arena gestellt. Tenor:
„Da hängen Arbeitsplätze dran. Da hängen Unternehmen dran. Da hängt Tourismus dran. Da hängen Vereine, Familien, Kinder.“
„Schade für das Projekt. Dort haben wir als Kinder und auch unsere Kinder das Skifahren gelernt.“
Auch der WSV Isny als Hauptnutzer hat sich klar positioniert. Vorsitzender Hannes Mechler sieht in der Arena einen wichtigen Beitrag, „um unsere Jugend zu begeistern“. Er fordert einen offenen Austausch zwischen Betreibern, Stadt und Anwohnern – einen Runden Tisch, wie es lokale Politiker längst nennen.
Auf der Petitionsseite finden sich Hunderte Stimmen, die zeigen, was MTBler in einschlägigen Foren seit Jahren wiederholen: Legale Strecken kanalisieren Verkehr, illegale verteilen ihn. Wer den Bikepark schließt, holt sich die wilde Befahrung der umliegenden Wälder ins Haus.
Warum das jeden Mountainbiker betrifft
Das hier ist kein lokales Allgäuer Problem. Es ist ein Lehrstück für die deutsche MTB-Misere, einer von dieser Sorte, die uns 2024, 2025 und jetzt wieder 2026 begegnen:
- Bikepark wird mit viel Aufwand legalisiert und gebaut (Isny: Eröffnung 2020).
- Konflikte mit Anwohnern entstehen – meistens nicht wegen der Biker selbst, sondern wegen der Begleit-Infrastruktur.
- Gespräche brechen ab (in Isny: laut Geschäftsführer „zuletzt nicht stattgefunden“).
- Eine Eskalation reicht – ein Event, ein lauter Tag, eine Polizeimeldung – und das ganze Konstrukt kippt.
- Der Bikepark ist das schwächste Glied in der Kette und fällt zuerst.
In Schladming-Planai hat man gelernt zuzuhören. In Saalbach hat man Strukturen gebaut. In Isny stehen die Lines noch – aber der Lift bleibt aus, die Mietflotte wird abverkauft, die Equipment-LKW rollen Richtung Steibis. Genau dieser Lauf ist es, den Mountainbiker bundesweit unterschreiben sollten – damit er nicht zum Standardmuster wird.
So kannst Du helfen – jetzt
Die Petition läuft auf openpetition.de und richtet sich an Bürgermeister Rainer Magenreuter. Stand heute: 2.517 Unterschriften. Das ist viel für eine Allgäuer Kleinstadt, aber wenig im Verhältnis zur deutschen MTB-Community. Da ist Luft nach oben.
Konkret kannst Du drei Dinge tun:
🟢 Unterschreiben: Petition zum Erhalt der Max Wild Arena auf openpetition.de
🟢 Teilen: Schick den Petitions-Link in Deine Bike-WhatsApp-Gruppen, Vereine, Klubs, Trail-Crews. Jede DACH-Unterschrift zeigt: Das ist kein Allgäuer Problem.
🟢 Stimme zeigen: Schreib einen Leserbrief, einen Kommentar, einen Social-Post. Wenn 50 Mountainbiker auf der Facebook-Seite des Bikeparks oder unter den lokalen Berichten klar machen, dass sie hier fahren wollen, hat das Gewicht.
Was die Petition nicht tun wird: den Konflikt mit den Anwohnern lösen. Den müssen Stadt, Gemeinderat, Pfarrgemeinde, Betreiber und Anwohner an einen Tisch bringen. Aber die Petition kann zeigen, dass es eine breite Mehrheit gibt, die diesen Tisch will. Und sie kann verhindern, dass der politische Wind in die andere Richtung dreht.
Was als nächstes passiert
In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob der Druck reicht. Bürgermeister Magenreuter hat sich klar pro Weiterbetrieb positioniert und die Pro-Initiative ausdrücklich begrüßt. Die Stadt hat finanzielles Interesse: 17.450 € Zuschuss für die Saison 2025/26 sind investiert. Schulen, Vereine, Skischule – die ganze lokale Sport-Infrastruktur hängt mit drin.
Was fehlt, ist direkte Kommunikation zwischen Anwohnern und Betreibern. Solange beide Seiten nicht reden, bleibt der Lift im Sommer aus – und genau diese Tatsache solltest Du als MTBler nicht akzeptieren.
Wir behalten die Sache im Auge und liefern Updates, sobald der Stadtrat oder die Betreiber sich bewegen. Bis dahin: Unterschreiben. Teilen. Stimme zeigen.
🔗 Petition unterschreiben:
openpetition.de/petition/online/petition-zum-erhalt-und-zur-unterstuetzung-der-max-wild-arena-in-isny
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