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Richard David Precht: Scharfe Kritik an den Grünen

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Richard David Precht, der bekannte Philosoph, Autor und Podcaster, hat in einem Gespräch mit Matze Hielscher im Podcast „Hotel Matze“ eine deutliche Abrechnung mit den Grünen vorgenommen. Der einstige Wähler der Partei, der in der Vergangenheit für seine grünen Überzeugungen bekannt war, erklärt, warum er bei der Europawahl 2024 seine Stimme nicht mehr den Grünen geben wird.

Die Grünen bewegen sich nach rechts

Precht stellt fest, dass sich die Grünen „stark nach rechts bewegt“ haben. Seine Kritik zielt vor allem auf zwei zentrale Politikfelder ab: die Identitätspolitik und die Unterstützung von Waffenlieferungen in die Ukraine.

Identitätspolitik – ein rechter Ansatz?

Precht bekennt sich zum moralischen Universalismus, wie er in der Tradition des Aufklärers Immanuel Kant steht. Dieser fordert die gleiche Behandlung aller Menschen, unabhängig von Ethnie oder Geschlecht. Für Precht ist dies der Kern linker Politik. Er zeigt sich fassungslos darüber, dass Ämter nach Kriterien wie Geschlecht oder Hautfarbe vergeben werden sollen: „Ich mache die Identität eines Menschen an seinem Geschlecht fest? Ich mache sie an seiner Hautfarbe fest? Im Zweifelsfall noch an seinem Alter? Das haben immer nur die Rechten gemacht,“ empört sich Precht über die Quotenpolitik. Für ihn ist dies ein Rückschritt hinter die bereits erreichte Gleichstellung der Geschlechter und ein Erbe des Rassismus. „Ich weiß, dass die Leute, die das vertreten, sich für linke Avantgarde halten, aber da ist nichts links,“ so Precht.

Militärische Stärke – ein darwinistisches Bild

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Haltung der Grünen zu Waffenlieferungen und militärischer Stärke. Precht erinnert daran, dass es früher die Rechten waren, die während des Kalten Krieges für Aufrüstung und militärische Stärke eintraten. Heute verfechten die Grünen eine ähnliche Position. „Das ist so rechts, dass ich einen riesen Abstand zu den Grünen habe. Und das ist deswegen so traurig, weil sie die einzige Partei sind, die ich in der Klimapolitik ernst nehmen kann,“ erklärt Precht.

Keine politische Alternative in Sicht

Precht sieht derzeit keine politische Alternative. Die AfD ist für ihn „völlig indiskutabel“ und das BSW von Sahra Wagenknecht bedient bei der Klimafrage lediglich „Stammtisch-Klischees“. Seine Enttäuschung über die Grünen reicht jedoch weit zurück. Bereits in einem früheren Interview mit Thilo Jung („Jung & Naiv“) sprach Precht darüber, wie die Grünen ihre ursprünglichen Ideale für Machtpositionen aufgegeben hätten.

Die „Lebenslüge“ der Grünen

Precht kritisiert die Grünen auch dafür, dass sie den Wählern vorgaukeln, alle ökologischen Probleme ließen sich durch Technologie und Förderung lösen – sei es durch Wind- und Solartechnologie, Elektromobilität oder die CO2-Steuer. „Das Wort ‚Verzicht‘ gibt es nicht,“ bemängelt Precht, da die Grünen ansonsten Wahlen verlieren würden. Somit seien sie letztlich „eine normale Partei“ wie jede andere auch.

Richard David Precht – Ein vielseitiger Denker

Precht, der in den letzten zwei Jahren seit seinem ersten Auftritt bei „Hotel Matze“ immer wieder aufgrund verschiedener Äußerungen in der Kritik stand, hat bereits zahlreiche Bücher zu unterschiedlichsten Themen veröffentlicht. Er schrieb über die Liebe, Moral, das Recht der Tiere, künstliche Intelligenz, die Zukunft der Arbeit und die Geschichte der Philosophie. Gerade erschien sein Essay „Das Jahrhundert der Toleranz“, in dem er sich mit den aktuellen und zukünftigen globalen, gesellschaftspolitischen Entwicklungen und Konflikten auseinandersetzt und deren Einfluss auf die Weltordnung beleuchtet.

Eine politische und philosophische Diskussion

Die aktuelle Folge des Podcasts „Hotel Matze“ wurde besonders politisch. Precht sprach über Werte und Toleranz, seine Entfremdung von den Grünen, seinen Blick auf die AfD, Putin, Trump und die Frage, warum es überhaupt Kriege gibt. Zudem diskutierten sie Utopien, den Stellenwert der Philosophie in der heutigen Zeit, Freundschaften, Alterserscheinungen und zu guter Letzt auch das Thema Schönheit. Viele dieser Themen scheinen Precht regelrecht auf der Seele gebrannt zu haben.

Fazit

Richard David Prechts scharfe Kritik an den Grünen zeigt seine tiefe Enttäuschung über die Partei, die einst seine politische Heimat war. Seine Vorwürfe, die Grünen hätten sich nach rechts bewegt und ihre ursprünglichen Ideale aufgegeben, verdeutlichen seine Entfremdung. Die Europawahl 2024 wird Precht jedenfalls nicht dazu nutzen, seine Stimme den Grünen zu geben – trotz fehlender Alternativen in der aktuellen politischen Landschaft.

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